Vertrauen im Coaching & RTT®: Grundlage tiefer Veränderung
- Burcu Alkan
- 9. Juli
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Juli
Erst wenn ein Mensch sich sicher genug fühlt, kann er sich wirklich öffnen.
Nicht jedes Gespräch, das helfen soll, fühlt sich wirklich hilfreich an.
Manchmal sitzt man jemandem gegenüber und merkt schon nach wenigen Minuten: Hier kann ich etwas sagen, ohne mich erklären oder rechtfertigen zu müssen. Hier hört mir jemand wirklich zu. Nicht, um mich schnell einzuordnen, sondern um zu verstehen.
Und manchmal passiert das Gegenteil.
Ein Gespräch soll eigentlich unterstützen, aber innerlich wird man vorsichtiger. Man überlegt genauer, was man sagt, erzählt vielleicht nur einen Teil und spürt: Hier bin ich noch nicht sicher genug, um mich wirklich zu öffnen.
Gerade im Coaching oder in therapeutischer Arbeit ist das entscheidend. Denn wenn es um Selbstwert, Scham, Ängste, alte Verletzungen oder innere Blockaden geht, reicht eine gute Methode allein nicht aus.
Ein Mensch öffnet seine innere Welt nicht einfach nur, weil jemand professionell ausgebildet ist.
Für mich ist Vertrauen deshalb die Grundlage jeder tiefen und wirksamen Coaching- oder hypnotherapeutischen Zusammenarbeit. Ohne Vertrauen bleibt vieles an der Oberfläche.
Coaching ist nicht gleich Coaching
Coaching ist ein weiter Begriff.
Es gibt Coaching-Ansätze, die sehr praktisch, strategisch oder lösungsorientiert arbeiten. Dabei geht es oft um konkrete Ziele, nächste Schritte, Entscheidungen, Struktur oder neue Perspektiven. Und auch das kann sehr wertvoll sein.
Aber meine Arbeit setzt an einer anderen Stelle an.
Ich arbeite nicht nur mit dem, was an der Oberfläche sichtbar ist. Nicht nur mit dem Verhalten, dem Symptom oder dem aktuellen Problem. Mich interessiert auch, was darunterliegt: Welche inneren Muster wirken im Hintergrund? Welche Erfahrungen haben einen Menschen geprägt? Welche Schutzstrategien waren vielleicht einmal notwendig, stehen heute aber im Weg?
Für mich ist Coaching deshalb nicht nur ein Gespräch über Lösungen.
Es ist ein Raum, in dem ein Mensch sich selbst tiefer begegnen kann.
Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen transaktionalem und transformativem Coaching. Transaktionales Coaching kann helfen, eine konkrete Frage zu klären oder einen nächsten Schritt zu finden. Transformative Arbeit geht tiefer. Sie fragt nicht nur: Was kann ich jetzt tun? Sondern auch: Warum reagiere ich so? Was hält mich innerlich zurück? Welche alten Überzeugungen, Ängste oder Schutzmechanismen wirken noch in mir?
Manche Themen lassen sich nicht über drei Schritte lösen.
Sie liegen tiefer.
Es ist ein bisschen wie der Unterschied zwischen Schnorcheln und Tauchen. Beim Schnorcheln sehen wir bereits einiges. Wir sehen die Oberfläche, vielleicht auch etwas darunter. Aber vieles bleibt verborgen.
Wenn wir wirklich verstehen möchten, warum wir immer wieder in ähnliche Muster geraten, warum wir uns selbst sabotieren, warum wir trotz besseren Wissens nicht anders handeln können oder warum bestimmte Situationen emotional so viel in uns auslösen, dann reicht ein Blick von oben oft nicht aus.
Dann braucht es den Mut, tiefer zu tauchen.
Und genau diese Tiefe braucht Vertrauen.
Nicht nur Vertrauen in die Methode, sondern Vertrauen in den Menschen, der diesen Weg mit uns geht. Denn niemand öffnet freiwillig seine innere Welt, wenn er sich innerlich nicht sicher fühlt.
Vertrauen ist mehr als Sympathie
Vertrauen klingt auf den ersten Blick selbstverständlich.
Natürlich sollte man sich bei einem Coach oder einer hypnotherapeutischen Begleitung wohlfühlen. Natürlich sollte die Chemie stimmen. Natürlich ist Sympathie wichtig.
Aber für mich geht Vertrauen tiefer.
Es ist nicht nur das Gefühl: Ich mag diese Person.
Es ist ein inneres Erleben von Sicherheit.
Ein Mensch muss spüren: Ich werde hier nicht bewertet. Ich werde nicht vorschnell interpretiert. Ich muss nichts beweisen. Ich darf erst einmal da sein mit dem, was gerade da ist.
Gerade wenn es um tiefere innere Arbeit geht, sprechen Menschen oft über Themen, die sie lange für sich behalten haben. Über Scham. Über Angst. Über Selbstkritik. Über Erfahrungen, die vielleicht nie wirklich ausgesprochen wurden. Über Gefühle, die nach außen klein wirken können, innerlich aber sehr viel ausgelöst haben.
Dafür braucht es mehr als Fachwissen.
Es braucht Präsenz. Es braucht Beziehung. Es braucht die Erfahrung, dass da jemand ist, der nicht sofort eine Schublade öffnet, sondern wirklich verstehen möchte.
Rapport im Coaching bedeutet Verbindung, nicht nur ein gutes Gespräch
Im Coaching, in der Hypnose und in therapeutischen Kontexten spricht man oft von Rapport.
Für mich bedeutet Rapport nicht einfach, dass man sich nett findet oder ein angenehmes Gespräch führt. Rapport bedeutet, dass eine Verbindung entsteht, in der sich das Nervensystem ein Stück sicherer fühlt.
Wir kennen das eigentlich alle.
Man begegnet einem Menschen und merkt relativ schnell, ob man innerlich offener wird oder vorsichtiger. Manchmal können wir gar nicht genau erklären, warum. Es ist ein Tonfall, ein Blick, eine Art zuzuhören, eine bestimmte Reaktion auf etwas Persönliches.
Unser Körper merkt oft schneller als unser Verstand, ob wir uns öffnen können oder nicht.
Es gibt Menschen, bei denen man nach wenigen Minuten Dinge erzählt, die man eigentlich gar nicht erzählen wollte. Und es gibt Menschen, bei denen man höflich bleibt, aber innerlich auf Abstand geht.
Gerade in der inneren Arbeit ist diese Wahrnehmung wichtig. Denn wenn wir uns nicht sicher fühlen, bleiben wir kontrolliert. Wir erzählen vielleicht etwas, aber nicht alles. Wir verstehen vielleicht etwas im Kopf, aber lassen es nicht wirklich an uns heran. Ein Teil von uns bleibt wachsam.
Und das ist nicht falsch.
Es ist Schutz.
Warum Menschen sich manchmal überraschend schnell öffnen
Ich habe schon oft erlebt, dass Menschen sich mir relativ schnell anvertrauen.
Eigentlich war das schon so, bevor ich beruflich als Coach und RTT®-Hypnosetherapeutin gearbeitet habe.
In der Schulzeit. Auf Netzwekevents. In zufälligen Gesprächen. Sogar auf Parties, saß ich abseits vom Geschehen mit Menschen, die mir ihr Herz ausgeschüttet haben. Menschen haben sehr leicht angefangen zu erzählen. Von sich. Von ihren Themen. Von Dingen, die sie vielleicht gar nicht geplant hatten auszusprechen.
Vor kurzem, als ich im Zug saß, hatte ich eine interessante Begegnung:
An der Station Frankfurter Flughafen setzte isch eine Frau neben mich. Sie war sichtbar aufgebracht oder im Fachjargon "dysreguliert".
Wegen eines Unwetters waren viele Flüge ausgefallen, und als Betroffene, musste sie spontan auf den Zug ausweichen, um irgendwie doch noch an ihr Ziel zu kommen.
Sie war angespannt, erschöpft und innerlich noch ganz in diesem Chaos. Sie suchte das Gespräch und ich ließ mich drauf ein.
Ich habe nichts Besonderes gemacht.
Ich habe ihr Raum gegeben. Zugehört. Ein paar Fragen gestellt. Nicht gedrängt. Nicht bewertet. Nicht versucht, sofort eine Lösung zu finden.
Nach und nach wurde sie ruhiger. Das Gespräch wurde leichter. Irgendwann wurde es fast lustig, obwohl ihre Situation eigentlich ziemlich stressig war.
Und irgendwann schaute sie mich an und fragte: „Sind Sie Psychologin?“
Ich musste lächeln und sagte, dass ich als Coach arbeite.
Sie lachte und meinte: „Ja, das passt zu Ihnen, sehr gut! “
Natürlich habe ich mich über dieses Feedback gefreut. Nicht, weil ein zufälliges Gespräch im Zug eine professionelle Begleitung ersetzt. Sondern weil es mich daran erinnert hat, dass Menschen sehr genau spüren, ob ihnen jemand wirklich zuhört.
Vielleicht ist genau das etwas, das ich schon immer in mir hatte: diese Neugier auf Menschen. Der Wunsch, nicht vorschnell zu urteilen, sondern erst einmal wirklich zu verstehen, was in einem Menschen vorgeht.
Und vielleicht ist genau das auch ein Teil dessen, was Menschen in meiner Arbeit als sicher erleben.
Wenn ein professioneller Raum nicht sicher ist
Vielleicht ist mir Vertrauen auch deshalb so wichtig, weil ich selbst erlebt habe, wie verletzend es sein kann, wenn ein professioneller Raum nicht sicher ist.
Vor einigen Jahren war ich mental sehr erschöpft. Meine innere kritische Stimme war laut, und ich hatte den Impuls, mir professionelle Unterstützung zu suchen.
Es dauerte lange, bis ich überhaupt einen Termin bekam. In der Zwischenzeit hatte ich durch Hypnotherapie bereits wichtige innere Unterstützung gefunden und war wieder an einem deutlich stabileren Punkt. Trotzdem wollte ich mir diesen Termin anschauen.
Ich ging hin.
Und es wurde eine Erfahrung, die mir bis heute gezeigt hat, wie sensibel diese Arbeit ist.
Ich begann, von meiner Situation zu erzählen. Von einem inneren Zustand, der sich damals fast wie eine Paralyse angefühlt hatte. Von Überforderung. Von innerem Druck. Von diesem Gefühl, nicht richtig voranzukommen, obwohl man eigentlich so viel versteht.
Und statt mir wirklich zuzuhören, begegnete mir eine sehr vorurteilsbeladene Deutung.
Sinngemäß wurde gesagt, ich sei ja eine Frau über 30, noch nicht verheiratet, und in meinem Kulturkreis und meiner Familie sei das sicherlich nicht gern gesehen. Deshalb sei das bestimmt schwierig für mich.
Ich war sprachlos.
Nicht nur, weil mich dieser Satz irritiert hat, sondern weil er absolut nichts mit dem zu tun hatte, worüber ich gesprochen hatte.
Er kannte meine Familie nicht. Er kannte meine Lebensrealität nicht. Er kannte meine Geschichte nicht. Und trotzdem hatte er innerhalb weniger Minuten eine Erklärung gefunden. Nicht aus dem, was ich erzählt hatte, sondern aus einer Schablone heraus.
Ich war empört.
Und ich bin heute dankbar, dass ich zu diesem Zeitpunkt stabil genug war, um zu merken: Das stimmt nicht. Das hat nichts mit mir zu tun. Das ist nicht in Ordnung.
Ich habe das Gespräch abgebrochen und bin gegangen.
Aber danach blieb ein Gedanke bei mir.
Was passiert mit Menschen, die gerade nicht stabil sind? Die verletzlich sind? Die ohnehin an sich zweifeln?
Was passiert mit Menschen, die einer professionellen Person gegenübersitzen und automatisch annehmen: Wenn diese Person das sagt, wird es wohl stimmen?
Gerade in solchen Momenten zeigt sich, wie viel Verantwortung Menschen tragen, die mit anderen Menschen in inneren Prozessen arbeiten.
Denn jemand, der Unterstützung sucht, kommt nicht als Fall. Nicht als Kategorie. Nicht als Herkunft. Nicht als kulturelles Klischee.
Ein Mensch kommt mit seiner Geschichte. Mit seinem Nervensystem. Mit Erfahrungen, die nicht einfach von außen interpretiert werden dürfen.
Tiefe Arbeit braucht kulturelle Sensibilität
Gerade wenn Menschen mit Migrationsgeschichte, Mehrsprachigkeit oder verschiedenen kulturellen Prägungen in einen Coaching- oder therapeutischen Raum kommen, braucht es Sensibilität.
Nicht jede familiäre Dynamik lässt sich von außen schnell verstehen. Nicht jede kulturelle Prägung ist automatisch ein Problem. Und nicht jede Herausforderung eines Menschen mit Migrationsgeschichte hat mit Migration zu tun.
Gleichzeitig kann kulturelle Prägung natürlich eine Rolle spielen.
Genau deshalb braucht es keine schnellen Annahmen.
Es braucht Fragen. Offenheit. Demut. Und die Bereitschaft, nicht sofort zu wissen.
Für mich ist das ein zentraler Teil meiner Arbeit: Menschen nicht auf eine Identität, Herkunft, Rolle oder Diagnose zu reduzieren, sondern wirklich zuzuhören.
Was ist deine Geschichte?
Was hat dich geprägt?
Was hat dir geholfen, zu überleben?
Was hält dich heute vielleicht zurück?
Und was brauchst du, um dich sicher genug zu fühlen, diesen inneren Raum überhaupt zu betreten?
Vertrauen ist bereits Teil der Veränderung
Ich glaube, Vertrauen ist nicht die Vorbereitung auf die eigentliche Arbeit.
Vertrauen ist bereits Teil der Arbeit.
Denn erst wenn ein Mensch sich sicher genug fühlt, kann er ehrlicher werden. Nicht nur mit dem, was er erzählen möchte, sondern auch mit dem, was vielleicht lange im Verborgenen geblieben ist.
Mit der Angst.
Mit der Scham.
Mit der Wut.
Mit der Erschöpfung.
Mit den Anteilen, die vielleicht jahrelang funktioniert haben.
Ohne Vertrauen bleibt vieles kontrolliert. Man erzählt vielleicht etwas, aber nicht alles. Man versteht etwas, aber lässt es nicht ganz an sich heran. Man bleibt vorsichtig, beobachtet, schützt sich.
Und das ist nachvollziehbar.
Denn kein Mensch öffnet sich in der Tiefe dort, wo er sich innerlich bewertet, beschämt oder falsch gelesen fühlt.
Was ich Menschen in meiner Arbeit geben möchte
Wenn Menschen mit mir arbeiten, geht es mir nicht darum, sie schnell zu reparieren.
Ich sehe Menschen nicht als Problem, das gelöst werden muss.
Ich sehe sie als Menschen, die gute Gründe dafür haben, warum bestimmte Muster entstanden sind.
Vielleicht war Kontrolle einmal Sicherheit. Vielleicht war Leistung einmal Anerkennung. Vielleicht war Anpassung einmal Zugehörigkeit. Vielleicht war Stärke einmal notwendig.
Und vielleicht darf heute etwas Neues entstehen.
Nicht, weil wir gegen uns kämpfen.
Sondern weil wir beginnen, uns selbst besser zu verstehen.
Für mich ist echte Transformation deshalb nicht laut, schnell oder spektakulär. Sie beginnt oft sehr still.
In einem Moment, in dem ein Mensch merkt: Ich darf ehrlich sein. Ich muss mich nicht verstellen. Ich muss mich nicht beweisen. Ich darf mit dem da sein, was wirklich da ist.
Und vielleicht beginnt genau dort der Raum, in dem Veränderung möglich wird.
Nicht an der Oberfläche.
Sondern dort, wo ein Mensch sich sicher genug fühlt, tiefer zu tauchen.
Wenn du dir eine Begleitung wünschst, die nicht nur an der Oberfläche bleibt, sondern tiefer schaut, findest du unter Meine Angebote mehr über meine Arbeit im Coaching und in der RTT® Hypnose.