Zwischen Funktionieren und Fühlen
- Burcu Alkan
- 11. Mai
- 2 Min. Lesezeit
Warum ist das Funktionieren so wichtig für uns?
Viele Menschen sitzen abends erschöpft auf dem Sofa und denken trotzdem:
„Ich habe heute nicht genug gemacht.“
Obwohl sie gearbeitet haben.
Organisiert haben.
Sich gekümmert haben.
Funktioniert haben.
Und genau dieses Funktionieren wird in unserer Gesellschaft immer wieder belohnt.
Das Tun.
Das Machen.
Das Erledigen.
Produktiv sein.
Leisten.
Durchhalten.
Vor allem in einer sehr leistungs- und resultatorientierten Gesellschaft bekommt das Tun einen enorm hohen Wert. Das Fühlen hingegen ist oft etwas Unsichtbares. Etwas, das nicht messbar ist.
Im Moment sein.
Präsent sein.
Einfach nur fühlen, ohne direkt etwas daraus machen zu müssen.
Dafür bekommen wir selten Anerkennung.
Genau in dieser Gesellschaft werden wir sozialisiert und übernehmen diese Erwartungen oft schon sehr früh. Viele von uns lernen schon als Kinder, dass Leistung Aufmerksamkeit, Lob und Zugehörigkeit bringt.
Wenn wir gute Noten schreiben.
Besonders gut im Sport sind.
Etwas erreichen.
Fleißig sind.
„Brav“ sind.
Dann bekommen wir Anerkennung von den Menschen, die uns am wichtigsten sind: unseren Eltern.
Und als Kind verknüpfen wir das irgendwann miteinander:
Leistung = Liebe.
Funktionieren = Sicherheit.
Etwas leisten = wertvoll sein.
(LG an den Kapitalismus an der Stelle.)
Deshalb fällt es vielen Menschen später so schwer, einfach nur zu sein.
Fehler zu machen und sich trotzdem liebenswert zu fühlen.
Nichts zu leisten und trotzdem das Gefühl zu haben, genug zu sein.
Sich auszuruhen, ohne Schuldgefühle zu haben.
Ich merke selbst, dass genau das Fähigkeiten sind, die ich noch immer lerne.
Das Verlernen alter Muster und Prägungen.
Das Hinterfragen alter Glaubenssätze.
Und das Erlernen neuer innerer Sicherheit.
Das bewegt mich in meiner eigenen persönlichen Entwicklung und auch in der Arbeit mit meinen Klient:innen immer wieder.
Denn viele Menschen tragen tief in sich den Glaubenssatz:
„Ich muss funktionieren.“
Und ich wünsche mir für mich selbst, diesen Glaubenssatz immer mehr loszulassen.Nicht nur beruflich, sondern in allen Lebensbereichen.
Und genau das wünsche ich auch meinen Klient:innen.
Denn wir sind nicht erst dann liebenswert, wenn wir leisten, funktionieren oder perfekt sind.
Wir sind liebenswert, weil wir Menschen sind.
Schon von Geburt an. Allein durch unsere Existenz. Doch im Verlauf des Lebens schleichen sich Glaubenssätze ein, dass wir uns unsere Liebenswertigkeit erst verdienen müssen.
Diese limitierenden Glaubenssätzte gilt es, wie Unkraut, wieder auszujäten.